Die Trends 2025 im Halbjahres‑Check
KI, Altern und Repräsentation, Nachhaltigkeit und mehr
In der schnelllebigen Welt des visuellen Storytellings bleiben Trends selten auf der Stelle stehen. Was im Januar unsere kollektive Aufmerksamkeit erregte, kann im Juli bereits überzogen wirken. Grund genug, uns Mitte 2025 erneut drei der wichtigsten Themen des Jahres zuzuwenden: generative KI, Altern und Repräsentation sowie Nachhaltigkeit.
Hier nun der aktuelle Stand der Dinge – und wohin sich die visuelle Landschaft im nächsten Schritt entwickelt.
Der KI‑Boom ist zur Lawine geworden
Generative künstliche Intelligenz hat sich vom Wunderwerk zum Mainstream entwickelt. Was sich vor kurzem noch wie ein kreativer Durchbruch anfühlte – „Die Hände sehen endlich echt aus!“ – wirft heute tiefergehende Fragen zu visueller Qualität, Markenwert und Vertrauen der Zielgruppen auf.
In Südostasien ist die Akzeptanz hoch: Mehr als die Hälfte der Menschen nutzt KI bereits zur Erstellung von Bildmaterial. Doch selbst in diesen enthusiastischen Märkten gibt es Vorbehalte. Denn die Menschen sehnen sich nach wie vor nach menschlicher Kreativität. Sie wollen Wiedererkennung, Transparenz und vor allem Bedeutung – nicht nur Geschwindigkeit.
In westlichen Märkten wie den USA und Europa ist die Stimmung zurückhaltender. Die zunehmende Komplexität der KI ist allgemein bekannt, doch gleichzeitig wächst auch das Unbehagen angesichts ihrer subtilen Täuschungen – insbesondere in den Bereichen Video und Social Media. Deepfakes, synthetische Gespräche und hyperrealistisches Filmmaterial machen es zunehmend schwieriger, zwischen echten und generierten Inhalten zu unterscheiden. Und dieser Verlust an Klarheit hat echte Konsequenzen für Marken.
Was sich abzeichnet, ist ein visuelles Paradoxon: Je mehr KI‑Inhalte unsere Feeds füllen, desto wertvoller werden wirklich von Menschen gemachte Inhalte. Marken erkennen, dass sie es sich nicht leisten können, mit qualitativ minderwertigem „KI‑Schund“ zu blenden, zumal ähnliche Inhalte ihre eigenen entwerten können. Tatsächlich deuten neuere Forschungsergebnisse darauf hin, dass sich die Platzierung in der Nähe von nicht gekennzeichneten KI‑Inhalten durch Assoziation auf die Glaubwürdigkeit einer Marke auswirken kann.
Wichtige Erkenntnis: Dies ist nicht das Ende der KI – ganz im Gegenteil. Aber es ist der Beginn einer umsichtigeren Phase. Die nächste Welle wird nicht allein durch Leistungsfähigkeit definiert, sondern durch Kontext, Qualität und Ethik.
Die nächste große kreative Chance ist das Altern
Neben all dem Gerede über die Gen Z gibt es eine weitere demografische Gruppe, die die Gesellschaft und die Kaufkraft verändert: Menschen über 50. Und dennoch bleiben sie eine der am stärksten unterrepräsentierten und stereotypisierten Gruppen in der visuellen Kultur.
Obwohl sie länger leben, aktiv bleiben und sich zunehmend mit Technologie beschäftigen, werden ältere Menschen selten als Individuen dargestellt. Marken zeigen sie am häufigsten in Familienszenen oder medizinischen Umgebungen – wenn sie überhaupt auftauchen. Betrachtet man die Muster der von Marken verwendeten visuellen Inhalte, so macht die Altersgruppe 60+ weniger als 10 % der heruntergeladenen Inhalte aus.
Doch das Blatt wendet sich.
In Asien, wo in „überalterten Gesellschaften“ wie Japan und Taiwan bereits mehr als 25 % der Bevölkerung über 65 Jahre alt ist, beginnen Marken damit, Anti‑Aging‑Narrative gegen Themen wie „gutes Altern“ und Vitalität einzutauschen. In Europa führen steigende Renteneintrittsalter und eine ältere, wohlhabendere Bevölkerung dazu, dass Marketingfachleute die überholte Vorstellung grundlegend zu überdenken, dass Altern gleichbedeutend mit Irrelevanz ist. In den USA zeigen ältere Erwachsene eine starke Loyalität gegenüber digitalen Tools und sind zunehmend auf Plattformen wie TikTok präsent.
Dabei wollen Menschen keine karikaturhafte Jugendlichkeit oder klinischen Verfall – sie wollen Authentizität, Individualität und Handlungsfähigkeit. Sie wollen sich nicht als eine homogene Altersgruppe sehen, sondern als komplexe, leidenschaftliche Individuen mit Interessen, Stil und Präsenz. Und sie möchten in ihrem gesamten Lebensspektrum gesehen werden, nicht nur als Pflegende, Großeltern oder Patienten.
Wichtige Erkenntnis: Für visuelle Storyteller bietet dies eine große Chance: Inhalte zu erstellen, die endlich den Reichtum des Alterns in all seinen Dimensionen erfassen. Nicht als Einschränkung, sondern als Lebensstil.
Nachhaltigkeit entwickelt sich weiter – und die Herausforderungen nehmen zu
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Botschaften zum Thema Nachhaltigkeit in Zyklen bewegt – von Eisbären und schmelzenden Gletschern bis hin zu Bildmaterial zu Recycling und pflanzlicher Ernährung, das primär auf Lifestyle gesetzt hat. Heute treten wir in eine neue Phase ein. Nicht etwa, weil das Thema an Bedeutung verloren hätte, sondern weil sich die Stimmung verändert hat.
Branchen‑ und regionenübergreifend werden Marken immer vorsichtiger in ihrer Kommunikation rund um ökologische Auswirkungen. Der zunehmende Trend zum „Greenhushing“ – also der Praxis, Nachhaltigkeitsaussagen zu minimieren oder ganz zu vermeiden – spiegelt die Angst vor Fehltritten, Gegenreaktionen oder Vorwürfen des Greenwashing wider.
Dieses Schweigen hat jedoch seinen Preis.
Untersuchungen zufolge erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin, dass Marken in Umwelt‑ und Sozialfragen eine Vorreiterrolle einnehmen – doch zwei Drittel von ihnen bezweifeln, dass Marken sich tatsächlich dafür engagieren. Dies führt zu einer Verunsicherung, die nicht allein durch Schweigen ausgeräumt werden kann. Zielgruppen wünschen sich Transparenz, Realismus und Klarheit.
Sie wollen nicht nur eine idealisierte Zukunft sehen, sondern auch die chaotische Gegenwart – und die Schritte, die unternommen werden, um sie zu verbessern.
Und vor allem wollen sie Hoffnung. Von den USA über Europa bis nach Australien wächst das Interesse an Bildmaterial, das Lösungen in Aktion zeigt: regenerative Landwirtschaft, Kreislaufmode, lokale Lebensmittelbeschaffung, städtische Grünflächen. Sogar Humor – wenn er klug eingesetzt wird – kann dazu beitragen, Öko‑Angst abzubauen und Klimadiskussionen verständlicher zu machen.
Wichtigste Erkenntnis:Finden Sie die richtige Balance. Die ansprechendsten Inhalte zum Thema Nachhaltigkeit sind weder übermäßig poliert noch alarmistisch – sie basieren auf Fakten, menschlichen Erfahrungen und glaubwürdigen Fortschritten.
Die zweite Hälfte des Jahres 2025: Echter, reicher und verantwortungsvoller
Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte zeichnen sich drei Signale klar ab:
- KI ist überall – aber echte Inhalte gewinnen nach wie vor. Marken müssen KI‑generiertes Bildmaterial bewusst einsetzen und genau planen, wo diese Inhalte zu sehen sein werden. Vertrauen, nicht Technologie, ist das neue Unterscheidungsmerkmal.
- Die Repräsentation muss erwachsen werden. Die Anzahl und der Einfluss der alternden Bevölkerung nehmen zu. Marken, die ihre Komplexität – und nicht nur ihre Stereotype – annehmen, werden tiefgreifendere und loyalere Beziehungen aufbauen.
- Nachhaltigkeit braucht eine neue Bildsprache. Weniger Perfektion, mehr Fortschritt. Weniger polierte Unternehmen, mehr menschliches Handeln.
Mehr entdecken:
VisualGPS‑Bericht: Nachhaltigkeit im Umbruch
Disrupt Aging Kollektion: Eine neue Definition des Alterns
The Download, Folge 34: 2025 Trends Mid‑Year Check In—AI, Sustainability, and More
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